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TOURISMUS  |  BOAVISTA, Ausgabe 1
Boavista, das Fuerteventura der Inseln und noch mehr

Jetzt haben auch TUI und GEO die Kapverden entdeckt

Boavista - Die Kapverden sind in, bei Urlaubern, Investoren, Surfern, Musikern, bei Leuten, die Ruhe suchen, sich auch mal gerne mit der Geschichte befassen, bei den Weltenbummlern per Schiff und seit Anbeginn des Erscheinens dieser Zeitung mit diesem Spezial.
Inzwischen haben auch die TUI und sogar GEO die Kapverden sozusagen entdeckt. Die zu Preussag/TUI gehörende mallorqui­nische international tätige Hotelgruppe, die auf den Kanarischen Inseln auch schon mehr Hotels hat als auf Mallorca selbst, wird sich im Süden von Sal bei Santa Maria engagieren und GEO hat in seinem letzten Spezial vom November in einer Westafrika-Ausgabe die Kap­verden mit viel Liebe beschrieben, sie als die Kanaren von morgen bezeichnet, als Archipel der Einsamkeit und als die „Musik im Ozean“.
In der Reihe unseres Kap­verden Spezial haben wir uns bisher, abrufbar auch im Internet, mit den Inseln und ihrer Geschichte im allgemeinen, mit den Inves­ti­tionsbestimmungen und den touristischen Chancen be­fasst. Im Rahmen der Berichterstattung über die einzelnen Inseln schauen wir uns heute Boavista an, die Insel in weiß und gelb, die Wüsteninsel mit den Sicheldünen von bis zu 20 Meter Höhe und kilometerlangen, unendlichen und makellosen Stränden. Die Insel mit über hundert Wracks im Küs­tenschelf vor allem im Nordwesten, die Insel mit dem Schornstein einer von Wanderdünen heimgesuchten ehemaligen Ziegelei jüdischer Einwanderer aus Marokko.
Hartnäckig hält sich die Sage, dass die Bewohner im Mittelalter die vielen Riffs und die magnetische Beeinflussung der geologischen Struktur mit einer Abweichung von drei Grad nutzten. Der Überlieferung nach, so berichtete auch der Südwestfunk in einer Reportage, banden die Bewohner den Maultieren oder Eseln eine Laterne an den Schwanz, führten die Tiere an den Stränden und Klippen entlang, täuschten die Seefahrer und „ernteten“ dann das Strandgut. Weil der Wert eines gestrandeten Schiffs in der Regel immer größer war als all das, was die Einwohner auf Boavista hatten, nannten sie das Stranden eines Schiffes „Überfluss“, auf Creol „moia“.
Boavista heißt auf Portugiesisch wie Bellavista in Italienisch oder Spanisch „schöne Aussicht“ - und diese erste schöne Aussicht hatte im Sommer 1456 ein Kapitän aus der Flotte von Heinrich dem Seefahrer. Sir Francis Drake stattete Boavista 1578 einen Besuch ab, aber erst ab 1697 wird von Piratenüberfällen berichtet als Zeugnis für einen gewissen Wohlstand. 1820 nannte man die Stadt am englischen Hafen (Porto Inglés) König Salz, nämlich Sal Rei. Das süd­lichere Rabil, wo heute der Flughafen liegt, war zuvor die Verwaltungszentrale gewesen. Auf der vorgelagerten Insel wurden starke Kanonen gegen die Piraten eingerichtet und Sal Rei wäre sogar beinahe Hauptstadt aller Kapverdischen Inseln geworden.
Boavista ist die drittgrößte Insel der Kap­verden, es gibt eine funkelnagelneue Hafenmole, jede Menge Langus­tenfischer, den Thunfischfang und das Big Game-Fishing. Boavista ist gleichzeitig Surfer-Paradies, hat eine lange Tradition bei handgefertigten Keramiken ohne Drehscheibe und vor allem den Strand von Santa Mo­nica an der Süd­westküste, ein 34 Kilometer langes Naturparadies. Hinter dem Strand gibt es Lagunen, mit entsprechenden Kontrasten der pastellfarbenen Sandlandschaften mit dem Blau des Himmels und dem Türkis-grün des Atlantiks. Auch direkt bei Sal Rei und Rabil bietet die Praia da Chave einen absoluten Traumstrand.
Delphine und Wale besucht man mit einem deutschen Segelschiff. Oft wird Boavista als eines der schönsten Wüs­teneilande im Atlantik bezeichnet. Ob es nun auch das Schönste ist, muss jeder für sich selbst entdecken. Vereinzelt stehen Palmen in den Dünen, die möglicherweise dorthin ebenso gekommen sind, wie die Palmen nach Maspalomas im Süden von Gran Canaria, nämlich durch die Tauben, die den Palmensamen aus den Oasen der Sahara mitbrachten. Auch ähnelt die Form von Boavista spiegelverkehrt der von Gran Canaria, doch im Gegensatz zu dort, kann man die Datteln von den Palmen auch essen. Und im Gegensatz zu Gran Canaria ist die höchste Erhebung des Berges Santo Antonio nur 379 Meter hoch und erreicht damit nicht einmal die Hälfte der Wolkengrenze.
Dem Monte Negro an der Ostküste wird der Magnetismus nachgesagt, der angeblich die Kompassnadeln der Seefahrer verrückt spielen ließ. Schatzsucher mit und ohne Lizenz tummeln sich vor den Küsten der Insel, Ziel sind unter anderem Silberla­dungen im Wert von angeblich um die sieben Millionen Mark in einem der gesunkenen Schiffe.
Ähnlich wie im Norden von Fuerteventura beherrscht der Flugsand die Strasse zwischen Rabil und Sal Rei. Wanderdünen haben in der Vergangenheit nicht nur eine Saline unter sich begraben. Im Jahre 1920 gab es eine Flugsandkatastrophe sogar in Sal Rei, wo der Sand meterhoch auf der zentralen Plaza lagerte und die Stadt sozusagen freigeschaufelt werden musste. Gegen den ständigen Gastsand werden nicht nur Mauern gebaut, sondern auch Pflanzen gesetzt, auch Tamarisken.
Einen Tamariskenwald von seltener Schönheit gibt es auf der Fahrt zur alten Ziegelei im Westen von Rabil.
Das touristische Angebot auf Boavista kann sich ebenso für das Sportliche durchaus schon sehen lassen, überwiegend unter italienischer Leitung.
Zu den Top-Adressen gehören der Marine-Club, das komplett renovierte Hotel Dunas und das Estoril Beach Resort.


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